Man spricht zwar oft und viel über Kunst und wie man sich dazu verhält, doch so gut wie nie macht man sich Gedanken darüber, wann im Leben die erste Begegnung mit Kunst eigentlich passiert.

Voller Begeisterung kratzt der kleine Mensch mit dem Bleistift auf Papier und murmelt etwas vor sich hin. Fragt man, was er da gemalt hat, wirkt das Kind überrascht: "Ich bin's doch und mein Kätzchen, wir spielen Ball". Hinter seinen für Erwachsene unbegreiflichen "Hieroglyphen" steckt ganze Vorstellungswelt.

Es dauert seine Zeit, bis wir in seinen Bildern einige Gestalten zu erkennen beginnen und uns freuen, dass der kleine Künstler schon Einiges kann. Gerade zu dieser Zeit malen Kinder viel und begeistert. Wenn wir nur passiv beobachten, wird das Kind in ein Paar Jahren seine plumpen Zeichnungen mit der Fotografie bzw. Realität vergleichen, wird enttäuscht und gibt auf. "Er mag es nicht, zu zeichnen," - sagt dann die Mutter, und dieses Thema wird für immer abgeschlossen. Und die Menschheit wird nie erfahren, was für ein Künstler hier verloren ging.

Aber versuchen Sie es mal anders. Legen Sie den Bleistift in seine Hand richtig hinein; zeigen, wie man mit dem Pinsel arbeitet, sodass auf dem Papierblatt anstatt zufälliger Flecken erkennbare Gestalten entstehen.

Wenn Ihre Erfahrung nicht ausreicht, bringen Sie Ihr Kind in das Malstudio. Dann kommt Verständnis für Komposition, Farbe, Perspektive, verschiedene Techniken. Das Malen scheint nur einfach zu sein; in der Tat ist es eine schwierige Aufgabe für den kleinen Künstler. Bis zu dem Moment, wenn das Kind mit Pinsel genau das gemalt hat, was er wollte, und nicht das, was sich so ergeben hat, sollten schon einige Jahre vergehen. Aber übertreiben Sie nicht, lassen Sie den kleinen Menschen leicht und allmählich alles lernen. Erwarten Sie nicht Raffaels Fähigkeiten von einem sechsjährigen Kind: das Kind kriegt sonst den Eindruck, elterliche Erwartungen nicht erfüllen zu können - und hört mit dem Zeichnen auf. "Es ist nichts für mich", - sagt der wachsende, aber schon enttäuschte Mensch und wird keine Ahnung haben von der wunderbaren Welt der Kunst, die er für immer verloren hat.

Es ist eine wundervolle Zeit - die Kindheit... Von Außen gesehen - sorgenfrei, voller Spaß und Spiele; doch hinter scheinbarer Leichtigkeit dieser Lebensphase steckt ihre große Bedeutung und Notwendigkeit. Zu dieser Zeit entwickeln sich Rede, Hand und Fingerspitzengefühl, das Kind reift physisch und psychisch aus, sammelt elementare Erfahrungen - einschließlich Kenntnisse und Fähigkeiten in den Künsten. Und wenn wir als Erwachsene in der Lage sind, ihn unaufdringlich in die richtige Richtung zu lenken, wird er die Kunst kennen- und lieben lernen, wird die Sprache der Kunst verstehen sowie die Schönheit um sich herum.

Ist doch viel spannender, in einer bunt bemalten Welt zu leben!

Olga Melnikov

(ins Deutsche übersetzt von s.g.)

G A L E R I E   "K L E I N E   M E I S T E R"

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